Lieder sind etwas Wunderbares. Man kann in fünf Minuten eine Geschichte erzählen.
In einem Prosatext wäre das wohl schwer möglich. Lieder haben Melodie und Rhythmus. Ein Lied ist ein Gefühl. Bei manchen Liedern kann man lachen, manchmal hat man eine Träne im Auge. Ein Lied kann lustig oder traurig sein, fröhlich oder melancholisch.
Bernd Stelter schreibt Lieder, wie andere Menschen ein Tagebuch schreiben. Man hört, wie es ihm dabei ging. Hatte er Sonne im Herzen oder Blödsinn im Kopp? Oder beides?
„Sonne im Herzen, Blödsinn im Kopp!“ Der Liederabend mit Bernd Stelter ist all das: Ein Leben in Liedern, mal laut, mal leise, mal fröhlich und dann wieder melancholisch. Und das Wichtigste ist: Wenn man nach zwei Stunden lachen und träumen, singen und schmunzeln den Saal verlässt, hat man bestimmt ein gutes Gefühl.
Da war er schon überrascht, als der Moderator ihn zum ersten Mal als „Urgestein der Comedy“ ankündigte. „Urgestein“? Mit 53, ok, fast 54? Natürlich weiß man dann, dass die Vermutung, jetzt ist die Hälfte rum, schon sehr optimistisch wäre, aber „Urgestein“? Nein.
Und „Comedy“? Erst recht nicht. Ein Comedian, das ist jemand, der zwei Stunden mit dem Mikrofon in der Hand über die Bühne rennt und irgendwas erzählt, Hauptsache, es ist witzig. Nein, ein Comedian will er nicht sein!
Nur witzig sein reicht nicht. Er hat ja oft genug im Theater gesessen, und wenn es nur witzig war, schaute er halt nach einer guten halben Stunde auf die Uhr: wann kommt denn die Pause? Ein guter Abend im Theater, das bedeutet natürlich laut lachen, von mir aus auch auf die Schenkel klopfen, aber da müssen doch auch diese Momente sein, in denen man sich einfach zurücklehnt und wohlfühlt. Da muss einem doch auch mal das Lachen im Hals stecken bleiben.
Sein alter Mentor Rudi Carrell hat einmal gesagt: „Wenn du den Leuten einen schönen Abend machen willst, bring sie zum Lachen, und wenn du ihnen einen tollen Abend machen willst, bring sie zum Lachen und zum Weinen!“ Ein Comedian schafft bestenfalls einen schönen Abend.
Was ist nun das Geheimnis? Warum steht er jetzt seit über fünfundzwanzig Jahren auf der Bühne? Warum sind die Säle voller denn je?
Ja, wenn er das wüsste. Natürlich ist es die Gagdichte, natürlich das Timing, aber vielleicht ist es eher die Authentizität. Man nimmt ihm die Geschichten ab, die er erzählt. Er erzählt sie nicht nur, um witzig zu sein. Er erzählt seine Geschichten, und der Zuschauer denkt an seine eigenen. Er ist ein Philanthrop, er mag die Menschen, und das spürt man. Wenn er am Ende des Programms am Bühnenrand sitzt und Fragen beantwortet, wenn er nach der Show im Foyer aber auch wirklich jeden Autogrammwunsch erfüllt, dann merkt man, der liebt seinen Job. Na ja, eigentlich ist das kein Geheimnis.
Er will also kein Comedian sein, was ist er dann? Kabarettist? Nun, da gibt es Leute, die möchten für diese Bezeichnung mehr Tagespolitik. Entertainer? Nein, ein Entertainer kann auch tanzen!
Bernd Stelter tanzt nicht, aber er spielt Gitarre, er spielt Klavier, und er spielt Theater. Und er macht den Leuten einfachen einen tollen Abend.
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